Bassboat Marke Eigenbau

Oliver Hintermann, Mai 2020, Zürich

Im kommenden Bericht möchte ich meine Erfahrungen welche ich bei meinem Eigenbau Boot gemacht habe mit euch teilen. Im Frühjahr 2019 Stand bei mir ein neues Projekt an. Lange schon spielte ich mit dem Gedanken mir ein eigenes Boot zuzulegen. Für die bevorstehende Saison sollte sich dieser Traum nun verwirklichen. Ich betrieb viel Recherche und informierte mich über alle Möglichkeiten welche es auf dem Markt gab. Es Sollte ein Boot mit Casting Deck werden, klein und kompakt.  Es gibt mittlerweile Hersteller welche entsprechende Boote anbieten, diese sind jedoch nicht im deutschsprachigen Raum vertreten und die Importkosten würden mein Budget massiv überschreiten. Die Lösung sollte so günstig und zweckmässig wie möglich sein. Ich entschied mich also dazu, mir mein eigenes Boot aufzubauen. Meine handwerklichen Fähigkeiten würde ich eher mittelmässig einstufen, was das geplante Projekt nicht gerade einfacher machte.

Aber wer nicht wagt der gewinnt nun mal nicht. Ich machte mich auf die Suche nach einem geeigneten Boot. Ich hatte in der Vergangenheit keine guten Erfahrungen mit GFK Booten gemacht, deshalb kam für mich nur ein Aluminiumboot in Frage. Diese haben weniger Gewicht und sind sehr pflegeleicht. Schnell habe ich ein Inserat gefunden, welches ungefähr meiner Vorstellung entsprach.

Ein paar Tage später konnte ich das gute Stück bereits besichtigen. Ich zögerte nicht lange mit dem Kauf, da es kaum gebraucht wurde und in einem guten Zustand war. Der Rohling für die weiteren Arbeiten bildete ein Quicksilver 355SL. Das Lehrgewicht betrug knapp 60KG, was das Transportieren auf dem Dachträger möglich machte.

Im Netz fand ich sehr viele Beiträge über das Thema Selfmade Boot und konnte einige Referenzprojekte genauer studieren. Ich hatte schon ziemlich exakte Vorstellungen, wie das Boot

aussehen sollt. Ich begann mit ganz einfachen Skizzen, welche ich immer detaillierter ausarbeitete. Den Umbau konnte ich jeweils an den Wochenenden in einer Metallwerkstatt erledigen.

Das war Gold wert und machte das ganze wesentlich angenehmer. Das benötigte Werkzeug und genügend Platz war auch vorhanden. Als erstes entfernte ich alle nicht benötigten Teile wie Gummileisten, Ruderdollen, etc. am Boot.

In einem Ersten Schritt erstellte ich einen Gestell welches das Grundgerüst für die Plattform bilden sollte. Dabei kamen meistens vierkant Aluminium Profile mit einer Stärke von 3mm zum Einsatz. Aluminium war meine erste Wahl, da es leicht, Korrosionsbeständig und einfach zu verarbeiten ist.

Um die Materialien zu verbinden verwendete ich grösstenteils Nieten. Da geschraubte Verbindungen immer eine Schwachstelle bilden verwendete ich so wenige Schrauben wie möglich. Die grössten Zeitaufwendungen hatte ich beim Organisieren der Materialien und Kleinteile. Ich war froh, dass der Baumarkt nicht weit entfernt war. Nach gut zwei Arbeitstagen war das Grundgerüst soweit fertig, das ich mich dem Deck widmen konnte. Vorab fand natürlich der ultimative Belastungstest statt. Zu dritt belasteten wir alle möglichen Stellen der Konstruktion um allfällige Schwachstellen ausfindig zumachen. Glücklicherweise hielten alle Teile zusammen. Es folgte der Aufbau des Decks. Dafür verwendete ich 15mm Siebdruckplatten aus dem Baumarkt. Diese haben den Vorteil, dass sie auf beiden Seiten versiegelt sind. Das ist gerade bei Holz extrem

wichtig, da es sonst bei Nässe aufquillt und kaputt geht. Vorab erstellte ich entsprechende Vorlagen aus Karton um die genauen Masse des Decks zu erhalt. Die Grösste Schwierigkeit war die spitz zulaufende Form des Bootes. Es benötigte ziemlich viel Geduld, bis jedes Teil perfekt zueinander passte. Die Holzplatten waren sehr leicht mit einer Stichsäge zu bearbeiten, weshalb ich sehr gut

voran kam. Die einzelnen Platten befestigte ich mit Schrauben auf dem Aluminiumrahmen. Anschliessend versiegelte ich die Schnittkanten und Bohrlöcher noch mit Silikon um sicherzustellen, dass kein Wasser an das Holz herankommt.

Als Deckbelag verwendete speziellen Marineteppich. Dieser ist zwar einiges teurer als normaler Teppich, hat jedoch einige Vorteile. Er ist  UV resistent und schnelltrocknend. Zudem franst er an den Schnittkanten nicht aus, was die Verarbeitung einiges einfacher machte. Den Teppich klebte ich mit Montagekleber auf das Deck. Es brauchte einige Testläufe bis ich wusste, wie das die Teppichkanten am besten umgelegt werden können.

Um so viel Stauraum wie möglich zu generieren, baute ich noch zwei Klappen auf dem Deck ein. Eine im vorderen Bereich für Tackle, Sicherheitsausrüstung etc. und eine im hinteren Bereich für den Benzintank und die Batterien. Die Details waren immer wieder eine Herausforderung. Ich brauchte einige Versuche bis die Scharniere so eingestellt waren wie ich es mir vorstellte. Langsam nahm das

Projekt Form an und man konnte deutliche Fortschritte erkennen. Natürlich musste auch ein neuer Anstrich her. Ich befreite das Boot von seiner alten Lackierung und verpasste ihm einen neuen blauen Anstrich. Nach drei Schichten Grundierung kamen nochmals 3

Schichten zwei Komponenten Lack auf den Rumpf. Die Langen Aushärtungsphasen der Farbe machten das ganze sehr zeitintensiv. Da ich das Boot auf einem Trailer lagere, verzichtete ich dabei auf einen Unterwasseranstrich gegen Pflanzenbewuchs. 

Nach rund zwei Monaten seit dem Beginn der Arbeiten, waren die groben Arbeiten soweit fertiggestellt, dass ich mich der Technik widmen konnte. Als erstes musste ein Bugmotor her. Ich hatte bereits in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit Motorguide Motoren gemacht, dass ich mir die Frage welche Marke es nun werden sollte gar nicht erst stellte. Ich entschied mich für ein Modell mit Fusspedal. Da das Boot ein Leichtgewicht ist reichte eine kleine Schubkraft des Motors völlig aus. Als Energieträger verwendete ich zwei 100AH

AGM Versorgerbatterien. AGM Batterien dieser Grösse sind zwar keine Leichtgewichte, jedoch massiv günstiger in der Beschaffung als die hochgelobten Lithium Batterien. Da ich die Batterien festverbauen wollte, war mir das Gewicht nicht sehr wichtig. Ich installierte im hinteren sowie im vorderen Bereich des Bootes eine Busklemme für die 12V Spannungsversorgung. Von dort aus konnte ich alle möglichen Verbraucher wie zb. das Echolot, Positionslicht, Deckbeleuchtung etc. versorgen. Einmal mehr war ich froh, dass ich mich in der Elektrik auskenne und die Komplette Verkabelung selber erstellen konnte.

Anfangs wollte ich das Boot rein elektrisch betreiben. Um jedoch etwas Strecke machen zu können wäre ein Verbrennungsmotor jedoch einiges angenehmer. Ich konnte einen Mercury 3.5 PS

Kurzschaft von einem Kollegen übernehmen. Wie sich später herausstellte, reichte dieser völlig aus und zu zweit auf dem Boot erreichten wir eine Spitzengeschwindigkeit von knapp 9 Km in der Stunde. Mehr PS waren also gar nicht nötig. Ziemlich genau 3 Monate sind vergangen bis zur endgültigen Fertigstellung des Bootes. Damit man das Boot überhaupt zu Wasser lassen darf musste nur noch ein neuer Schiffsausweis her. Nachdem

ich alle Unterlagen beim Schifffahrtsamt eingereicht hatte, erhielt den neuen Schiffsausweis. Dann war es Zeit für einen Ersten Test auf dem Wasser. Das Boot sicherte ich mit entsprechenden Spangurten auf dem Trailer. Da ich beruflich ab und an mit einen Anhänger umherfahre, hatte ich keine Schwierigkeiten mit dem navigieren. Für Anfänger empfehle ich aber dringen zuerst einige Trockenübungen auf einem Parkplatz zu machen bevor ihr an eine Slipanlage fahrt. Denn meistens ist

man nicht alleine an der Slipanlage und das Einwassern sollte dementsprechend speditiv gemacht werden. Wenn das Rückwärtsfahren mit Anhänger nicht klappt, dann kann es schnell mal peinlich werden. Am besten funktioniert dies zu zweit. Dann seit ihr in wenigen Minuten bereit zum

Losfahren.

Logischerweise funktionierte nicht alles von Beginn an so wie ich es mir vorstellte. Es gibt immer etwas das man verbessern oder abändern will. Im Grossen und Ganzen bin ich sehr zufrieden mit dem Resultat und ich konnte auch schon einige schöne Stunden auf dem Wasser verbringen.

 

Gruss und tight lines Oliver