Endlich wieder Mantova

Christoph Henggeler, Mantova März 2019

Sehr spontan beschlossen Noel und ich letzten Donnerstag, das Wochenende in Mantova zu verbringen. Da wir beide viel Stress mit Schule, Job und Familie haben, würde es vielleicht der einzige Trip dieses Jahr sein. Obwohl alle sagten, die Saison sei noch nicht eröffnet und die Chance ständen schlecht etwas zu fangen, waren wir aufgrund des warmen Februars trotzdem optimistisch. Samstag Morgen um 02:00 war Abfahrt und kurz nach 07:00 standen wir bereits am Wasser. Nach wenigen Minuten hatte Noel den ersten Biss auf einen grossen Twister. An Stelle des gewünschten Raubfisches hatte leider ein Karpfen den Köder gepackt. Nach einem Spotwechsel an ein Riesenwehr hatten wir einige Rapfenkontakte. Gelandet werden konnte schlussendlich nur einer....

Das Zanderfischen am Abend beendeten wir nach 2 erfolglosen Stunden. Am Sonntag fuhren wir nach Ferrara und klapperten dort die Kanäle und Flüsse ab, in der Hoffnung einen Wels ans Band zu bekommen. Wir hatten den ganzen Tag keinen Biss.

 

Das Wetter war dafür umso besser und so beschlossen wir, auf dem Rückweg noch einmal beim Rapfenwehr Halt zu machen. Dieses Mal probierten wir es jedoch auf der anderen Flussseite. Dort hat es nie Fischer, weil es eigentlich ein Geissengehege ist. In der Dämmerung hatte Noel plötzlich einen anständigen Zander am Band.

Ich stellte auch auf Gummifisch um, denn wir hatten eine richtig geile Kante entdeckt. Noel hatte kurz darauf nochmal 2 Bisse, als auch schon der Bauer kam und uns mit den Cops drohte....  Wir hätten bestimmt noch einige Zander gefangen. 

Wir begaben uns gezwungenermassen ein wenig angepisst zu unserem Lieblingsspot mitten in Mantova. Ich war mittlerweile etwas unter Zugzwang, da Noel schon mit 3:0 Fischen vorne lag. Beim ersten Wurf hats dann auch endlich bei mir Tock gemacht.

Trotz einigen weiteren halbherzigen Bissen konnten wir leider keine weiteren Zander mehr fangen. Dafür gab es bei mir einen total unverhofften Beifang. Als ich beim Jiggen direkt vor meinen Füssen den Gummifisch vor einem Krautbüschen hochzog, schoss ein fetter Bass auf den Köder. Nehmen wir gerne.

Danach verlor ich einen mittleren bis guten Zander im Drill. Ca. 30min später begann plötzlich etwas zu jagen. Noel warf seinen Gummifisch an der light Spinning ins Getümmel und bekam auch tatsächlich einen Biss. Ich stellte mich neben ihn und warf ebenfalls aus. Ich kurbelte den weissen 5inch Oneupshad ziemlich nahe an der Oberfläche zu mir, als es einen gewaltigen Hit gab. Ich wusste sofort: Siluro! Dies bestätigte sich auch sogleich, als der Wels mit seiner riesen Schwanzflosse aufs Wasser geschlagen hat. Ich schätzte den Fisch nach der ersten Flucht auf ca. 150cm. Noel meinte jedoch, die grosse Schwanzflosse deute auf einen wesentlich grösseren Fisch um 180cm hin. Da ich weder ein Vorfach noch einen stabilen Jigkopf dran hatte, drillte ich den Wels extrem vorsichtig.

 

Der Drill verlief die ersten 30 Minuten relativ spritzig und ich konnte den Fisch nach seinen Fluchten immer wieder fast bis ans Ufer drillen. Danach setzte er sich am Grund fest. Ich glaube sogar, dass er sich für 5-10 Minuten irgendwo verfangen hat. Nach einer Stunde dämmerte es uns langsam, dass das ein Fisch von wesentlich mehr als 1,5m sein muss. Ich schwitzte Blut und Schweiss, denn ich wollte meinen PB-Wels unter keinen Umständen verlieren.
Nach geschlagenen 90 Minuten hatte ich den Waller endlich am Ufer. Als das Monster dann vor uns auftauchte, ging uns komplett der Arsch auf Grundeis. Der Feumer war viel zu klein und so fackelte Noel nicht lange und stieg mit Turnschuhen ins Wasser und packte den Fisch mit beiden Händen im Maul.

Jetzt begann der unangenehme Teil für mich. Da der Fisch viel zu schwer war um hochzuheben, musste ich in Unterhosen in den eiskalten See steigen. Nach den 20 Minuten Fotosession spürte ich meine Füsse nicht mehr. Die Fotos sind den Umständen entsprechend scheisse geworden. Wir wollten den Wels aber weder bis zum Morgen anleinen, noch ihn ans Ufer ziehen.

Im vierten Jahr Mantova konnten wir also erstmals die magische 2m-Marke knacken. Mit 216cm den PB um 85cm verbessert. So ein Teil fang ich wohl nicht so schnell wieder.

Gruss und tl Chrigi